In der Galerie der Figuren aus der Mythologie des Netzschwingers nimmt Ben Reilly einen absolut einzigartigen Platz ein. Keine bloße Multiversum-Variante, keine austauschbare Nebenfigur, kein vergessenswerter Auftritt – Ben Reilly ist eine der wenigen Marvel-Figuren, die Peter Parker in den Comics tatsächlich mehrere Jahre lang in der Rolle des Netzschwingers ersetzt hat. Dieser erzählerische Austausch bleibt einer der umstrittensten der gesamten Marvel-Verlagsgeschichte, und genau das macht die Figur so faszinierend.
Um Ben Reilly in der erweiterten Multiversum-Mythologie einzuordnen, ist der Umweg über die Clone Saga, warum die Fans noch immer gespalten sind unerlässlich – die Clone Saga ist der gründende Handlungsbogen der Figur und bleibt einer der meistdiskutierten von Marvel.
Ein vom Jackal erschaffener Klon
Ben Reilly taucht erstmals in Amazing Spider-Man #149 im Oktober 1975 auf. Ursprünglich ist das Konzept radikal: Miles Warren, der verrückte Wissenschaftler alias Jackal, hat einen perfekten Klon von Peter Parker erschaffen. Dieser Klon, genetisch identisch mit Peter, besitzt dieselbe Erinnerung, dieselben Kräfte, dieselbe Ethik. Während des ursprünglichen Handlungsbogens weiß man nie wirklich, wer der echte Peter und wer der Klon ist.
Genau diese Mehrdeutigkeit der Identität macht Ben Reilly so verstörend. Er ist kein Schurke. Er ist kein Held. Er ist eine Kopie – eine perfekte, aber dennoch eine Kopie. Diese philosophische Dimension wirft tiefgreifende Fragen über Identität, Erinnerung und Authentizität auf. Um diese Dimension in der Mythologie zu vertiefen, ist der Umweg über The Other, wenn der Netzschwinger stirbt und wiedergeboren wird aufschlussreich – Marvel hat diese existenziellen Themen beim Netzschwinger regelmäßig erkundet.
Zunächst nach seinem Kampf mit Peter für tot erklärt, wird Ben Reilly in den Handlungsbögen der 90er-Jahre wiederauferweckt. Diese erzählerische Auferstehung eröffnet die Möglichkeit von Handlungsbögen, in denen die beiden Peter Parker (das Original und der Klon) nebeneinander existieren und zusammenarbeiten. Diese Dualität fasziniert die Leser und Autoren sofort – wie schreibt man eine Geschichte mit zwei Protagonisten, die beide rechtmäßig den Namen Spider-Man tragen könnten?
Ein vollwertiger Netzschwinger
Während der Clone Saga (1994-1996) trifft Marvel eine kühne erzählerische Entscheidung: Ben Reilly ist in Wirklichkeit der echte Peter Parker. Derjenige, den man jahrelang für den Helden hielt, wäre in Wahrheit der Klon. Diese radikale Umkehrung, die damals als Paukenschlag empfunden wurde, spaltet die Fans heftig. Für die einen ist es eine der größten erzählerischen Wagnisse von Marvel. Für die anderen ist es ein Verrat an der klassischen Figur.
Ben Reilly schlüpft daraufhin in das offizielle Kostüm und wird mehrere Jahre lang der Haupt-Netzschwinger. Er nimmt eine neue Identität an (Scarlet Spider), bevor er das kanonische rot-blaue Kostüm trägt. Diese Phase verändert die Mythologie grundlegend. Der Umweg über The Lost Years, der vergessene Klon endlich erzählt ist unerlässlich – das ist der Handlungsbogen, der die Reilly-Jahre prägt.
Während seiner Jahre als Haupt-Netzschwinger entwickelt Ben Reilly eigene Besonderheiten. Emotional jünger als Peter, ist er begeisterungsfähiger, unschuldiger. Er geht das Heldentum mit einer gewissen Unbefangenheit an, die Peter verloren hatte. Dieser Unterschied im Ton verleiht den Reilly-Handlungsbögen eine einzigartige Farbe in der Mythologie. Um diese Dimension mit anderen Versionen des Helden zu vergleichen, ist der Umweg über Kaine, der tragische Klon endlich rehabilitiert aufschlussreich – Kaine teilt die Klon-Dimension, jedoch mit einem zu Ben gegensätzlichen Ton.



